Wieviel Auslastung ist notwendig?

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Agility

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Hundeerziehung in unserer Zeit

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Gedanken zur Anschaffung

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Parson Russell Terrier

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Nur einmal Welpen haben

 

Ein Artikel zu dem sich hartnäckig haltenden Vorurteil: Eine Hündin sollte in ihrem Leben einmal Welpen haben!


Folgenden Szenario stellen wir uns vor:

Sie sind also Besitzer einer entzückenden kleine Terrier-Dame (oder einer sonstigen Hundedame), die zwar keine Papiere hat oder irgendeinen nachvollziehbaren Abstammungsnachweis, aber sie IST (in ihren Augen) gesund und SOOOOOOO schön.
Es soll ja gut sein für eine Hündin, einmal Welpen zu bekommen. Dies ist eine These, die sich ebenso hartnäckig hält, wie die Aussage: Mischlinge sind gesünder als Rassehunde. Die Aufzucht kann ja eigentlich auch kein Problem sein, schließlich ist die Mutter ja dabei und die Natur wird es dann schon richten. Und für den Absatz ist ja bereits gesorgt, denn so viele haben ja schon gesagt, dass Sie so gerne einen Hund wie ihre kleine Hündin hätten. (Wollen wir hoffen, dass das noch so ist, wenn die Welpen ein neues zu Hause suchen.)

Der Deckrüde ist der Hund des Nachbarn oder eines Kumpels, die spielen ja immer so schön zusammen und das paßt dann schon.

Klingt ja erstmal geradezu himmlisch unkompliziert - ob wir hier von Zucht reden können oder wirklich alles so einfach ist, sei erstmal dahin gestellt, deshalb betrachten wir die Situation mal ganz nüchtern.

Die zukünftigen Eltern: Gehen wir von zwei kleinen Jack Russell Terriern aus, die zwar erstmal quitschfidel sind, ok, der eine hoppelt immer auf drei Beinen, ist wohl ein Tick, aber sonst einfach nur süß. Von beiden kennen Sie allerdings nur wenig bis nichts von der Abstammung, die Mutter haben Sie mal gesehen, aber sonst...  da diese Hunde auch nicht aus einer VDH-Zucht  stammen, obwohl man Ihnen ja versicherte, dass die Eltern auch Papiere haben, wissen Sie eigentlich NICHTS über diese Hunde, es gibt keine Unterlagen, keine Gesundheitsuntersuchungen, einfach nichts, außer vielleicht einem Photo (was aber auch von jedem anderen Hund sein könnte, der mit ihren mal so gar nichts zu tun hat.). Ihnen war das beim Kauf ja auch ganz egal, was nützen schon Papiere, wenn der Zwerg doch  so nett ist.

Aber was bedeutet das denn eigentlich, wenn Sie nichts wissen. Da gibt es dann wohl zig Möglichkeiten: Vielleicht hatte die Oma Stehohren oder der Opa schwere Patella-Luxation (Hinkeln beim Jack Russell ist nämlich nicht wirklich ein Tick!). Der Uropa war mit fünf Jahren leider blind und die Uroma war von Hautkrankheiten befallen. Oder aber irgendeine enge Verwandte, die Schwester der Mutter war überängstlich und scheu, der Bruder dafür aggressiv. Klingt unwahrscheinlich? Warum eigentlich? Genauso wenig wahrscheinlich ist es doch, dass alle topgesund waren oder sind. Und das sich Krankheiten weitervererben wissen wir doch auch von uns Menschen, oder? Und wer sich mal ein wenig mit Hundezucht beschäftigt hat, weiß auch, dass sich auch Wesenszüge vererben. Die Selektion einer seriösen Zucht erfolgt über die Gesundheit UND immer auch das Wesen - und natürlich bei Rassehunden, das sie dem Rassestandard sehr gut bis vorzüglich entsprechen.

Sie wissen also wenig, genau genommen fast nichts... nur, weil jemand sagt, die auserwählten Eltern sind gesund und geeignet um damit zu "züchten", heißt das nicht, dass das auch richtig ist.

Denn gesund heißt in diesem Fall nicht: Ich lasse mal einen Tierarzt den Hund durchchecken, mal abhören, ins Maul schauen, impfen und entwurme regelmäßig. Das ist das Pflichtprogramm und selbstverständlich. Zuchthunde, die in unserem Verband in die Zucht dürfen, müssen auf folgende Merkmale untersucht werden:

Aber zurück zu den beiden Verlobten: Jetzt haben Sie also diese beiden tollen Hunde (die ja auch wirklich toll sind, aber, ob es Zuchthunde sind, steht auf einem völlig anderen Blatt.) miteinander Babies machen lassen. Die, wie auch immer geartete, genetische Vorbelastung der Hündin vereint sich mit der des Rüden.

Nach ca. 63 Tagen kündigen sich also die Welpen an. Bis dahin ging es der Hündin soweit gut. (Haben Sie auch daran gedacht, sie regelmäßig zu entwurmen und mit einem guten Futter zu ernähren?) Der erste Welpe kommt ... und die Hündin macht weiter nichts. Was nun? Dem Welpen helfen oder warten? Der erste Welpe und die ersten panischen Fragen. Nehmen wir mal an, alles klappt ohne Ihre Hilfe und sie haben auf einmal nicht zwei oder vier, sondern vielleicht sechs, acht oder zehn Welpen da liegen. Die Hündin ist - verständlicherweise - erschöpft und hat die kleinen Vampire am Hals. Sie selber hatten ja gehofft, dass alles von alleine geht, und wenn es so ist: Glück gehabt.

Aber seien Sie sich sicher, schon bei der Geburt kann so viel passieren, wenn man selber unerfahren ist und keine erfahrene Hilfe hat, da macht man sich keine Vorstellung. Vielleicht braucht die Hündin einen Kaiserschnitt oder es kommen Welpen tot zur Welt, was machen Sie dann? Und haben Sie schon mal einen Welpen abgenabelt oder lassen Sie es lieber die Hündin machen, die entweder gar nichts macht oder zu kurz abnabelt und die Bauchdecke verletzt oderoderoder. Ja, natürlich, es gibt sie, die Hündinnen, die einfach alles richtig machen, aber woher wollen Sie wissen, dass ihre das kann? Und, wenn sie es nicht kann oder tut, was dann?

Die Babies werden dann größer, Sie müssen dann zufüttern, die Hündin braucht ja sowieso Spezialfutter. Die Mutter muß gut gepflegt werden, was machen Sie, wenn sich das Gesäuge verhärtet, wenn sie eine Infektion bekommt? Oder die Babies eine Darminfektion bekommen? Sie müssen auf die Entwicklung der Welpen aufpassen, größere und schwerere verdrängen oft die kleineren, hier müssen Sie regulierend eingreifen. Auch ist nicht jede Hündin die "geborene Mutter", manche sind schlicht tapsig, legen sich schon mal auf die Welpen oder treten drauf, für ein so zartes Wesen kann das schlimme Verletzungen mit sich bringen. Sie müssen also aufpassen.

Es ist ein Fulltime-Job. Bei uns bin ich tagsüber zuständig, mein Mann nachts, er schläft bei den Welpen und der Mutter.

Und, wenn Sie in ihrer Euphorie, dass Sie ja jetzt "Züchter" sind, auch noch viele nette Besucher kommen lassen, die die Welpen bestaunen, anfassen und die Hündin begrabschen. Auch das kann gutgehen, tut es aber leider nicht immer. Kleine Welpen sind zarte Wesen, man muß nicht nur gut, sondern sehr gut auf sie aufpassen, ein noch so kleiner Keim kann tödlich sein. Klingt pessimistisch, nein, nur realistisch. Sind Welpen erstmal krank, hat man keine ruhige Minute mehr, einfach nur Angst um die kleinen Wesen und macht sich bittere Vorwürfe, dass man nicht vorsichtig genug war. Also: Man trägt viel Verantwortung.

Parson Russell Terrier WelpeAb ungefähr der dritten Woche, wird zugefüttert und die Schlammschlacht beginnt, die Waschmaschine ist im Dauereinsatz, der Wischmop auch und Kleenex wird zum Dauerbrenner auf dem Einkaufszettel.

Und irgendwann werden die Zwerge dann richtig mobil, dann braucht´s einen sicheren Auslauf, gute Nerven und alles abgesichert, was durchgebissen, weggetragen oder gefressen werden kann, klingt vielleicht lustig, ist es aber nicht - Welpen sind dann am niedlichsten, wenn sie schlafen, denn in dieser Zeit wächst nicht nur ihre Bewegungsdrang TÄGLICH, sondern ebenso ihre Verdauung, die Zähne und der Lärmpegel.

Man ist mit Prägung, Verkostung und Bespielen der Zwerge beschäftigt, was sehr viel Spaß macht, aber auch sehr zeitintensiv ist. Aber, schlußendlich, will man ja seine Welpen bestmöglich vorbereitet in die große weite Welt entlassen.

Parson Russell Terrier WelpenÜberspringen wir einfach die Flurschäden  dieser Zeit und kommen zur achten Woche, der eigentlichen Abgabezeit. Mit welcher Besonderheit wollen Sie also die Menschen dazu bewegen, dass gerade Ihre Welpen etwas so besonderes sind, dass Sie sie kaufen wollen?

Gesundheitsnachweise gibt es nicht, Papiere auch nicht, sie können keine Aussage zur gesundheitlichen Zukunft der Welpen treffen, weil die Eltern keine (anerkannten) Gesundheitsuntersuchungen haben. (Nur, weil der Tierarzt mal sagt: Alles ok! heißt das nicht, dass der Hund nicht z.B. Katarakt (Augenerkrankung) hat. ) Wie die Welpen mal aussehen werden??? Mmmmh, das fällt bei einer Mischlingsverpaarung schon in den Bereich der Wahrsagerei, vor allemParson Russell Terrier Welpe, wenn Sie wenig Erfahrung in Sachen Hund und Zucht haben und die Vorfahren nicht kennen, vielleicht war ganz hinten mal ein Bullterrier drin und Sie wundern sich darüber, dass Sie einen komplett gestromten Welpen bei fast weißen Elterntieren haben.

Wollen Sie ihre Käufer also über den Preis ködern?! Kein sehr schlüssiges Argument, wenn ihre heißgeliebten Hundebabies nur über den Preis ein neues zu Hause finden. Zudem hatten Sie ja  viel Arbeit und haben auch viel mehr Geld investiert, als Ihnen vorher bewußt war. Und leider, leider gibt es ja im nahen Ausland schon Welpen aus dem Kofferraum für 50 Euro, nicht auszudenken, was diese armen Wesen alles bereits erlebt haben und nicht auszudenken, wie es der Mutter dieser Babies geht. (Es ist zum Heulen! Anm. der Autorin)

Und um dies alles noch zu toppen: Erkranken die Welpen an erblichen Krankheiten, müssen Sie finanziell dafür gerade stehen. (Das kann sehr unangenehm werden.) Oder die Leute möchten den Hund nicht mehr, weil er immer bellt oder Angst hat, wenn er rausgehen soll oderoderoder. Es ist gibt 1000 und einen Grund, warum Menschen sich auch dieser kleinen Wesen wieder entledigen wollen. Und oft  ist es leider so.

Und das alles dafür, dass es der Hündin gut tun soll, einmal Babies zu haben. Glauben Sie mir, Ihrer Hündin ist es egal, Sie hat mit ihnen ein tolles erfülltes Leben, dafür muß sie keine Welpen großziehen.

P.s. Noch eine neutrale Anmerkung: Wichtig ist es einfach zu schauen, ob es wirklich sinnvoll ist, dieses Risiko auf sich zu nehmen, um der Hündin etwas zu geben, was sie in Wirklichkeit gar nicht braucht UND ob die Welt wirklich noch mehr Hunde braucht, die am Ende keiner haben will.

© Christiane Jantz 2012